Widerruf einer Buchung im Reiserecht - geht das?

Der Widerruf eines Vertrages ist ein ganz besonderes Institut im Recht, das gilt ganz besonders bei der Buchung einer Reise. Grundsätzlich gilt: Verträge sind zu erfüllen - Vertragsangebote sind verbindlich. Mit Abschluss eines Vertrages sind beide Seiten an den Vertrag gebunden.
Bei einem Widerruf kann der Widerrufende durch die einseitige Erklärung ohne jegliche Verpflichtungen die Bindungswirkung der eigenen Erklärung beseitigen. Der Widerruf eines Vertrages ist also nur eine Ausnahme dieses Grundsatzes und ist an ganz spezielle Voraussetzungen gebunden.

Ein grundsätzliches Widerrufsrecht gibt es also auch im Reiserecht nicht. Es gibt vielmehr nur zwei Fallgruppen, in denen ein Widerrufsrecht besteht.

Variante 1: Der Widerruf einer noch nicht zugegangenen Erklärung

Der Widerruf eines Vertragsangebotes kann wirksam sein, wenn dem Vertragspartner vor oder gleichzeitig mit der eigentlichen Willenserklärung ein Widerruf zugeht. Das Zugehen des Angebotes kann das Einwerfen der Post in den Briefkasten des Empfängers, das Herunterladen der Buchungs-E-mail, das Ausdrucken des Faxes durch das Faxgerät sein. Praktisch kommt dieser Widerruf nur in Frage, wenn das Angebot auf einem Weg abgegeben wird, der einige Zeit bis zum Zugang in Anspruch nimmt (z.B. Buchung per Post - hier kann durch ein schnelleres Fax, eine E-Mail oder einen Anruf der Widerruf erklärt werden).

Bei Buchung per E-Mail, Telefon oder per Fax liegen nur kurze Zeiträume zwischen Abgabe des Vertragsangebotes und Zugang beim Vertragspartner, so dass die Reue und der Widerruf zu viel Zeit in Anspruch nehmen dürften. Ein wirksamer Widerruf ist hier praktisch kaum machbar. Auch bei der Buchung der Reise per Post geht die Unsicherheit darüber, ob der Widerruf denn noch rechtzeitig war, zu Lasten des reuigen Reisenden.

Variante 2: Der Widerruf nach den Verbraucherschutzregeln

Das Gesetz gibt gerade den Verbrauchern besondere Rechte im Umgang mit Unternehmen. Hierzu gehören ganz besonders die Widerrufsrechte des BGB. Diese bestehen aber nur in ganz bestimmten Fällen und zwar: bei einem Fernabsatzgeschäft, einem Verbraucherkreditgeschäft oder einem Geschäft, das außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen wird (früher Haustürgeschäft).

Die Buchung einer Reise oder eines Hotels im Rahmen eines Verbraucherkreditgeschäftes (Ratenzahlung bei Beträgen über 200,00 €) ist nicht üblich.

Für die übrigen Fälle enthält § 312 g Abs. 2 Nr. 9 BGB jedoch die Regel, dass das Widerrufsrecht gerade nicht gelten soll, wenn Dienstleistungen im Bereich Unterbringung, Beförderung, Beköstigung und Freizeitgestaltung in einem genau definierten Zeitraum erbracht werden sollen. Nichts anderes ist bei einem Reisevertrag, einem Beherbergungsvertrag, einem Linienflug, einer Bahnfahrt oder anderen Reiseleistungen aber der Fall.

Daraus folgt: Bei Reiseverträgen hat der Reisende im Regelfall kein Widerrufsrecht. Er ist insbesondere im Reiserecht nur durch sein Recht zu Stornierung bzw. Rücktritt geschützt und sollte bei der Buchung nicht unüberlegt handeln.

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letztes Update: 16.02.2015